Sozialraumorientierte Angebote aus einer Hand

Aus dem Alltag einer SoFam-Familie

Frau F. beantwortet Fragen der Fachstelle und erzählt aus ihrem Leben als SoFam-Familie

Wer seid ihr und wer gehört alles zu eurer Familie?
Wir sind die Familie F: Mein Mann und ich und unsere beiden Kinder, die 9 und 7 Jahre alt sind. Gemeinsam leben wir in einem wunderschönen Dorf oben in den Bergen. Mein Mann arbeitet als Sanitärinstallateur und ich bin Hausfrau. Wir nehmen Kinder für Notfallplatzierungen, so genannte SOS-Unterbringungen, bei uns auf. Diese Kinder bleiben meist für ca. 3 Monate bei uns.

Warum seid ihr SoFam-Familie geworden?
Wir hatten es einfach auf dem Herzen und wollten so etwas schon immer machen. Zuerst meldeten wir uns bei der Babyklappe, die es in der ganzen Schweiz verteilt gibt. Da diese nur Familien nehmen mit Kindern ab 13 Jahren, kam dies für uns nicht in Frage. Wir möchten diese Arbeit als ganze Familie tun. Als wir von SoFam gehört haben, wussten wir: Das ist es. Das Zusammenarbeiten mit der Stiftung Gott hilft, die wir bereits kannten, war für uns ein grosses Plus.

Wie muss man sich den Alltag einer SoFam-Familie vorstellen?
Da kommt ein Telefon mit der Anfrage ob wir bereit wären, eine Notfallplatzierung zu übernehmen. Wir besprechen uns kurz (viel Zeit hat man da nicht), und wissen dann ziemlich schnell ob Ja oder Nein. Wir möchten für das Kind eine verlässliche Bezugsperson sein, Vertrauen aufbauen, Geborgenheit und Liebe geben. Dazu braucht es vor allem viel Ruhe und Zeit. Darum ist es wichtig genau zu überlegen, ob wir ein JA haben. Emotional geht es uns teilweise wie auf einer Achterbahn: Einerseits freuen wir uns natürlich, einem Kind helfen zu können, andererseits sind da auch gemischte Gefühle, da wir nicht genau wissen was auf uns zukommt. Wie ist die Zusammenarbeit mit den Eltern? Ist es ein Schreibaby, das plötzlich Nachtschicht verlangt? Wie reagieren unsere Kinder auf das Kind? Gerade bei einer verdeckten Platzierung kommen Gedanken wie: taucht evtl. die Mutter hier auf und will das Baby mitnehmen? Wird sie sogar handgreiflich? Müssen wir dann die Polizei rufen? Man muss sehr spontan und flexibel sein und auch eine hohe Belastbarkeit haben.

Gemeinsam meistern wir dann den Familienalltag: Spazieren gehen, einkaufen, kochen… alles wie sonst. Dazu kommt evtl. stundenlanges Herumtragen, in den Nächten aufstehen, Schöppela, Baden, Wickeln, Spielen und vor allem herausfinden, was das Kind braucht. Es geht nicht lange und es ist fast schon wieder ein normaler Tagesablauf im Alltag. Einfach ein Kind mehr…

Was ist schön?
Uns gefällt, dass wir dem Kind einen sicheren Ort mit Geborgenheit, Struktur und viel Liebe bieten können. Die Fortschritte der Kinder zu sehen ist wunderschön. Sei es das erste Lächeln, das Rollen auf den Bauch oder die Babysprache, Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern schätzen wir. Wir erleben die Eltern teils bei Besuchen oder bei Übergaben. Dabei ist es uns wichtig, dass klare Abmachungen getroffen werden, wir keine Belehrungen machen, sondern offen sind im Gespräch. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass es für die Eltern nicht immer einfach ist, einer fremden Person ihr Kind zu überlassen. Daher ist es uns wichtig, die Eltern wertschätzend zu behandeln. Die Begleitung durch die zuständige Bezugsperson der Fachstelle, die uns unterstützt in der Zusammenarbeit mit den Eltern oder der Behörde, ist entlastend und dafür sind wir sehr dankbar.

Was ist schwierig?
Es ist teilweise eine grosse Spannung, die es auszuhalten gilt. Die Ungewissheit, wie geht es weiter, das Kind dann einfach loslassen zu müssen, ob wir nun die Anschluss-Lösung gut finden oder nicht, das ist nicht so einfach. Wir sind zuständig für das Kind und nicht für das «Rundherum», das kann belastend sein, gerade wenn man sieht, in welchen Verhältnissen das Kind aufwächst.

Nenne ein besonderes Highlight oder eine lustige Begebenheit
Es ist teilweise lustig, wie die Leute reagieren: Als wir ein Mischlings-Baby aufnahmen, ging im Dorf herum, ob denn in unserer Ehe alles ok sei…. Oder die Aussage: «Ich habe ja gar nie gesehen, dass Du schwanger warst. Habe ich was verpasst?» Man muss es einfach mit Humor nehmen!

Warum sollte eine interessierte Pflegefamilie eine SoFam-Familie werden?
Wir finden es einfach eine wunderbare Arbeit. Natürlich muss man bereit und belastbar sein. Trotzdem übersteigen die guten Momente die schlechten. Wir finden es für uns als Familie eine gute Möglichkeit zu helfen, zu teilen, zu integrieren und einfach auch zu erleben, dass es nicht selbstverständlich ist, ein geborgenes Zuhause haben zu dürfen. Etwas zusammen machen zu können wofür unser Herz schlägt, ist auch bereichernd für die Ehe. Auch finden wir es entlastend, dass man jeder Zeit die Freiheit hat, Nein zu sagen und man weiss, dass die Liste eben noch mehr SoFam-Familien hat. Aber dafür braucht es eben Familien, die Ihr Zuhause für ein Kind öffnen, das einen Platz braucht!